Nein zur Pistenverlängerung und Nein zur Desinformation

Mit dem geplanten Pistenausbau am Zürcher Flughafen wird die Kapazität weiter ausgebaut werden – weit über den Bedarf der hiesigen Bevölkerung, zu Diensten des wirtschaftlichen Gewinns des Flughafens und der Nachbarländer, zu Lasten der hiesigen Bevölkerung.

 

Die Befürworter der Pistenverlängerungen führen ihre Propaganda-Schlacht wie gewohnt weiter. Der Gastbeitrag von Frau NR Priska Seiler Graf kommt der Sache schon nahe. Doch blieben entscheidende Fakten unerwähnt:

Mit dem Antrag zur Pistenverlängerung hat der Flughafen (FZAG) einen EMPA-Bericht z.Hd. des Regierungsrates in Auftrag gegeben. Als Vorgabe hat der Flughafen für jede Piste, für jeden Flug und Uhrzeit Vorgaben geliefert und dies für den damaligen Istzustand 2017, für 2030 mit Pistenverlängerung (PV) und 2030 ohne PV. Daraus ist wissenschaftlich dokumentiert wohin der Flughafen hin strebt. Nämlich: 2030 sind insgesamt 31% mehr Flüge beabsichtigt und mit Verlängerung der Piste 28 gibt es im Osten 18% mehr Flüge als ohne Verlängerung. Auf Piste 16 wird es 142% mehr Starts geben als heute. Das ist das Ziel des Flughafens, verpackt mit der Mär von mehr Sicherheit.

Die kürzeste Piste-28 in Kloten ist heute 2500 Meter lang. Gemäss dem grössten Verkehrsflugzeughersteller, Airbus, benötigt der A380 mit maximalem Landegewicht für die Landung 2000 Meter Pistenlänge, also ist die Piste-28  500 Meter länger als es bei schlechtesten Wetterbedingungen erforderlich ist.

Man beachte während den DVO-Zeiten allerdings, dass die Piste-28 bei ungenügender Sicht- und Wolkenuntergrenze oder Rückenwind über 5 Knoten von Flugsicherung – Skyguide – immer erst auf Anflug Piste-34, also über den Süden, umgeleitet wird. Dies bleibt auch bei verlängerter Piste 28 unverändert.

 

Die südliche Bevölkerung wird, auch durch ihre Fluglärmorganisationen, irreführend informiert:

Gemäss oben zitierten Vorgaben des Flughafens zum EMPA-Bericht strebt der Flughafen insgesamt 31% mehr Flugbewegungen bis 2030 an. Dies mit entsprechender Mehrbelastung für alle Regionen rund um den Flughafen.

Südlandungen auf Piste 34 werden 82% bis 2030 ohne PV zunehmen und um 35% mehr mit PV. Die Starts auf Piste 16 sollen mit PV bis 2030 um 145% anwachsen, mit PV um 147%.

 

Das Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit zeigt, dass für den Süden die Pistenverlängerung ca. gleich viele ZFI-Erfasste (Zürcher Fluglärm-Index) bringt. Unverändert bleibt demnach der Missstand ohne Massnahmen. In den letzten 20 Jahren wurde der ZFI lediglich 6mal eingehalten.

 

Dass wegen mangelnder Sicht oder Bise die umgeleiteten Ostanflüge auf den Süden umgeleitet werden, ist nicht eingerechnet. Trotzdem verkündet der Flughafen und seine Befürworter „Entlastung des Südens“.

 

Und vergessen wir die bereits im SIL vorgesehenen Südstarts geradeaus nicht.

Die Pistenverlängerung bringt auch keine Entlastung in Sachen Nachtruhe. Die Nachtruhe wird tagtäglich verletzt, weil der Flughafen seine Kapazität sträflich überdisponiert. Und dies obwohl der SIL Verspätungen nur im Ausnahmefall zulässt, obwohl die 7stündige Nachtruhe im Flughafengesetz seit jeher vorgeschrieben ist und obwohl die Lärmgrenzwerte seit Jahren ohne pflichtgemässe Massnahmen überschritten werden. Die Verspätungen, der immer gleichen Flüge bestehen, weil entweder die Anschlussflüge schon zu spät landen oder die Langstreckenflüge spätestens wie möglich disponiert werden. Auch hier die irreführende Zuweisung auf die zu kurzer Piste.

 

Der Flughafen ist angehalten, alljährlich eine Lärmbilanz zu erstellen und ist verpflichtet Massnahmen zu nennen und zu ergreifen. Selbst während der Corona-Pandemie wurden die Grenzwerte in den sensiblen Nachtstunden überschritten. Als Massnahme schreiben BAZL und FH, dass alle Massnahmen nicht helfen. BAZL weist den FH an, die Erhöhung der Lärmgrenzwerte zu beantragen. Die Gesundheitsbelastung unserer Bevölkerung wird also steigen.

 

Dann die Mär der besseren CO2-Bilanz: Der Flughafen ist der grösste Schadstoff-Emittent, u. a. auch deshalb, weil während den deutsche Sperrzeiten das Schweizer Gebiet in weiten Umwegen, z.T. sogar mehrfach, überflogen wird. Obwohl die CO2-Neutralität zum Mode-Schlagwort wurde, treiben Regierungsrat und Stadtvertretung im Flughafen-Verwaltungsrat das Wachstum weiter voran. Und nochmals: dies zum Wohle der deutschen Lufthansa, der deutschen Swiss und Edelweiss und dies während den deutschen Sperrzeiten. Die Ruhe während Sperrzeiten steht der Schweizer Bevölkerung nicht zu.

 

Während Corona hat die Politik die Gelegenheit verpasst, den Flughafen auf eine selbsttragende Grösse gesund-zu-schrumpfen. Stattdessen wurden wieder Staatsgarantien verfügt. Die Wirtschaftsblase wächst somit weiter.

Es sind 2-3 Mia an Investitionen geplant. Angeblich nur für die Sicherheit und nur für vereinfachte Betriebsabläufe, angeblich aber nicht für Kapazitätserhöhungen! 2-3 Mia also, die nicht wirtschaftlich durch Kapazitätserhöhung herein-gewirtschaftet werden sollen.

Völlig demagogisch werden die maximalen 70 Bewegungen pro Stunde zitiert, die technisch gar nicht überschritten werden könnten.

 

Und dann die Mär, dass sich der Flughafen selber finanziert. Der Kanton ist zu 33% und die Stadt Zürich zu 5% Eigner am Flughafen. Somit beteiligt sich der Steuerzahler sehr wohl an der Investition, bzw. am fehlenden Cash-Back dessen.

 

Es ist absolut sicher, dass der Flughafen, in Mitwirkung der Regierung, die Ausbauten Profit-getrieben tätigt. Die Öffentlichkeit müsste unbedingt Kenntnis über den langfristigen Business-Plan bekommen. Dieser würde dann das wahre Geheimnis lüften, was der Bevölkerung noch bevorsteht.

 

Angesichts der wahren Sachlage, auch schon wegen der Desinformation, gehört der Pistenverlängerung dringend eine Absage erteilt. Angesichts der jahrzehntelangen Verletzung unserer gesetzlichen Grundlagen gehört das Wirken der FZAG, des BAZL' und des Regierungsrates schon aus Gründen der Rechtsstaatlichkeit gestoppt.

 

Die Desinformation hat gewirkt, das Stimmvolk hat der Pistenverlängerung zugestimmt.

 

Auch der SIL wurde revidiert und die schrittweise Mehrbelastung geht weiter: Es wird behauptet, dass der Flughafen der Nachfrage an Langstreckenflügen nachkommen muss. An anderer Stelle wird zugegeben, dass die Flüge mit einheimischen Touristen nicht gefüllt werden können. Es wird verlangt, dass mit Zubringerflügen die Langstreckenflüge gefüllt werden müssen. Also nochmal mehr Lärmbelastung!

 


Propaganda des Flughafens


Gastbeitrag A.Heiter für IP 

Irreführende Behauptungen der Befürworter der Pistenverlängerungen

 

Behauptung 1

Mit den Pistenverlängerungen könnten die häufigen, ungeplanten Konzeptwechsel vermieden werden.

Pro Tag finden zwei geplante Pistenwechsel statt. Um 8 Uhr bzw. um 9 Uhr von Südanflug auf Nordanflug und um 20 Uhr bzw. um 21 Uhr von Nordanflug auf Ostanflug.

Ungeplante Umstellungen finden vor allem wegen Wetter statt (Westwind, Bise). Die Pistenverlängerungen ändern daran gar nichts. Die Änderungen wegen Wetter sind Standardverfahren und werden von der Flugverkehrsleitung intensiv trainiert. Sie stellen für die Lotsen keine besonderen Schwierigkeiten dar.

Das Argument der Befürworter, grosse Flugzeuge könnten dann auch bei leichter Bise auf der 28 landen, ist auch irreführend. Bei leichter Bise ist die Rückenwindkomponente so klein, dass auch ein A380 auf Piste 28 landen kann.

Weiter wird eine nasse Piste als Verweigerungsgrund für ein Landung auf Piste 28 aufgeführt. Die Piste 28 ist eine gerillte Piste, d.h. alle 5-7 cm ist eine Abflussrille in den Beton gefräst und somit ist die Bremswirkung bei nasser Piste fast gleich wie bei trockener Piste.

 

Behauptung 2

Es gebe immer wieder Piloten, die eine Landung auf Piste 34 verlangen. Verschiedene Anfragen an den Flughafen, wie oft und mit welchen nachteiligen Konsequenzen dies in den letzten Jahren vorgekommen sei, wurden nicht beantwortet. Wahrscheinlich, weil es sie nicht gibt?

Selbst habe ich sämtliche Anflüge bei der Anwendung des Ostkonzepts von Juli 23 bis Mitte Januar 24 analysiert. Es gab in dieser Zeit am Morgen, wenn wegen Wetter auf die Piste 28 angeflogen wurde, ein paar wenige Anflüge auf die Piste 34. Ob die nun mussten oder nur wollten, bleibe dahingestellt. Auf jeden Fall waren sie jeweils die einzigen Anflüge weit und breit, hatten keine Konsequenzen für andere Flüge und stellten auch für die Flugverkehrsleitung kein Problem dar. Am Abend gab es während  der Zeit der Ostanflügen nicht einen Einzigen Anflug auf Piste 34.

Selbstverständlich dürfen Piloten eine andere Piste als die gerade in Gebrauch stehende Piste verlangen. Gemäss ICAO – Regeln verlieren sie dann den Anspruch auf Anflugs Priorität und müssten im Warteraum warten, bis kein anderer Anflug behindert würde. Aber auch dazu gäbe es Lösungen betrieblicher und technischer Art, um die Auswirkungen auf den übrigen Verkehr zu vermeiden.

 

Behauptung 3

Pistenkreuzungen würden die Komplexität erhöhen und könnten ein Sicherheitsrisiko darstellen. Pistenkreuzungen wird es auch mit den Pistenverlängerungen geben. Wie Pisten gekreuzt werden sollen und wie Bewegungen auf sich kreuzenden Pisten sicher bewerkstelligt können, gehört zum elementaren Können der Lotsen und wird schon in den ersten Stunden der Ausbildung in Theorie doziert und intensiv am Simulator geübt und dann in Echtzeit mit einem Ausbildner während längerer Zeit im Tower praktiziert. Pistenkreuzungenn tragen sicher nicht zu höherer Komplexität bei und sind das «tägliche Brot» wie das Erteilen einer Start- oder Landeerlaubnis.

 

 

 

Als Lösung zur Vermeidung von Pistenkreuzungen wird die Umrollung der Piste 28 geplant. Ich will hier nicht im Detail darauf eingehen. Denn diese Umrollung ist nicht Bestandteil der Abstimmung und könnte so oder so gebaut werden. Ob sie dann etwas bringt, wage ich zu bezweifeln. Sicher aber ist, die Rollzeit nach der Landung auf Piste 14 zum Tarmac auf der Südseite der Piste 28 wird um ein Vielfaches länger und ebenfalls die Rollzeit vom Tarmac südlich der Piste 28 zur Piste 32. Dies steht im Widerspruch zu den Aussagen der auch so langen Rollzeit vom Midfield Terminal zur Piste 34.

 

Behauptung 4

Die Verspätungen nach 23 Uhr würden mit den Pistenverlängerungen reduziert oder gar nicht mehr stattfinden. Selbst die Flughafenchefs Brosi und Felder gestehen ein, dass sie nicht garantieren können, dass nach 23 Uhr keine Abflüge mehr stattfinden werden.

Fakt ist, dass auch heute diese kritischen Abflüge kaum vor 23 Uhr stattfinden, ob sie nun auf der 32 oder der 34 starten. Dies hat mit den Pistenlängen nichts zu tun. Das Argument bei Starts auf Piste 34 nach 23 Uhr sei die längere Rollzeit und das mögliche Warten beim Kreuzen der Piste 28 wegen landenden Flugzeugen schuld. Die Rollzeit vom Midfield Terminal zur Piste 34 ist maximal 3 Minuten länger als zur Piste 32 nicht wie behauptet wird bis zu 10 Minuten länger. Und Anflüge auf die Piste 28 gibt es zu dieser Zeit praktisch nicht mehr. Das heisst, auch der Start auf Piste 34 kann praktisch verzögerungsfrei stattfinden.

Auch über den Tag fallen in Zürich keine Verspätungen an, die auf zu kurze Pisten zurückzuführen sind.

 

Behauptung 5

Der Flugbetrieb sei für die Flugverkehrsleitung hoch komplex. Dem widerspreche ich vehement. Es hat sich in vieler Hinsicht, im Vergleich zu den 70er, 80er und 90er Jahren Vieles vereinfacht. Wenn Skyguide meint die Komplexität könnte ein Sicherheitsrisiko darstellen, so gäbe es eine wirksame Massnahme, dieses Problem zu lösen.

Heute werden die Lotsen so ausgebildet, dass sie eine Tower- und eine Anflugradar Lizenz erhalten. Das heisst sie müssen für Beides genügend Erfahrung haben, um die Lizenzen jeweils zu erneuern. Mit einer Aufteilung der Arbeitsplatzberechtigung für nur einen Arbeitsplatz würde die Komplexität, sofern sie vorhanden ist, für die einzelnen Lotsen spürbar reduziert.

 

Zum Schluss

Vom Flughafen wurde bestätigt, dass mit dem Bau der Pistenverlängerungen die Betriebskonzepte nicht verändert würden. Das bedeute, während der Sperrzeiten für Nordanflüge werde es nach wie vor am Morgen von 06 bis 07/09 Uhr Südanflüge und am Abend ab 20/21 Uhr Ostanflüge geben.

 

Andreas Heiter